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Bauernhöfe im Oberland – von Einödhöfen und Lüftlmalerei


Auf dem Weg durchs Bayerische Oberland erkennt man immer wieder prächtige Höfe auf weitläufigen Wiesen. Meist sind es große Gehöfte in aussichtsreicher Lage – und weit und breit nichts als Natur drumherum.

Auch innerhalb der heutigen Gemeinden findet man häufig alte Bauernhäuser, die im Laufe der Zeit mit in die wachsenden Orte integriert wurden und so ihre alleinstehende Lage verloren haben. Heute werden diese meist nicht mehr als Bauernhof genutzt; wenn man aber mit offenen Augen durch Schliersee läuft, findet man noch einige dieser wunderschönen Bauwerke.

 

Die ehemals und zum Teil auch heute noch existierende alleinstehende Lage beruht darauf, dass früher die Dörfer bei uns lediglich aus Kirche, Schule, Bäcker, Dorfkrämer und Gasthaus bestanden und die bäuerlichen Anwesen außerhalb der Dörfer „auf der grünen Wiese“ ihren Platz fanden; meist in der Nähe eines Waldes oder eines kleinen Baches. Dort konnte auch das Vieh gehalten sowie die landwirtschaftlichen Produkte angebaut werden.

Dabei spielt die Viehwirtschaft traditionell im Bayerischen Oberland eine zentrale Rolle. Sie ist dem nördlichen Voralpenraum mit seinen ergiebigen Niederschlägen besser angepasst als der Ackerbau, da für die meisten Anbausorten zu große Niederschläge fallen.

 

Bei den wunderschönen Bauernhöfen handelt es sich um Einfirsthöfe, die Wohnteil, Stall und Tenne unter einem First oder langgestreckten Dach vereinen. Der Wohnteil nimmt den an der Giebelseite liegenden Ostteil des Anwesens ein; der Stall schließt sich, von Norden und Süden zugänglich, an den Wohnteil an. In Höhe des Obergeschosses des Wohnteils befindet sich die geräumige Tenne, zu der in der Regel die Zufahrt über eine natürliche oder künstliche Rampe, die Tennbruck`n, führt.

Diese jahrhundertealte, wohldurchdachte Anordnung und Aufteilung schützt den Wohnraum, der nach Osten ausgerichtet ist und somit den meist vorherrschenden Westwinden nicht ausgesetzt ist; dem Stall bleibt Wärme erhalten und in der Tenne herrscht gute Durchlüftung des dort lagernden Heus.

Die Häuser sind meist mit einem Flachdach ausgestattet, das dem Anwesen Stattlichkeit verleiht. Außerdem stehen das Dach sowie die Dachrinnen weit über die Hauskante hinaus; eine Bauart, die sich auch in fast allen Wohnhäusern des Oberlandes durchgesetzt hat. Dieser lange Dachtrauf hat den Vorteil, dass das Regenwasser weiter vom Haus abfließt, wodurch das Anwesen von Feuchtigkeit verschont bleibt. Außerdem sei hier noch erwähnt, dass in früheren Zeiten Raufereien und ähnliche Vergehen nur außerhalb der Dachtraufe bestraft werden konnten. Dies hatte zur Folge, dass ein Verfolgter im Bereich der Dachtraufe nicht gefasst werden durfte, was vielleicht auch die teils sehr ausladenden Dächer erklärt.

Zu einem weiteren charakteristischen Baubestand unserer Bauernhöfe gehört die „Laubn“, die ursprünglich um drei Seiten des Obergeschosses als Veranda verlief. Zweistöckige Gehöfte haben an der Giebelseite sogar oftmals drei Etagen dieser Laubengänge.

 

Ursprünglich bestanden die Bauernhöfe im Miesbacher und Tegernseer Gebiet komplett aus Holz; erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Erdgeschoss aus Stein gefertigt und daraufhin auch verputzt.

Ab diesem Zeitpunkt traten dann auch die prächtigen Lüftlmalereien in Erscheinung, die fortan etliche Fassaden der Bauernhäuser zierten. Vorbild sämtlicher Wandmaler war Michelangelo, von dem beispielsweise das riesige Wandgemälde in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans stammt. Vor allem im südlichen Bayern bildeten sich ganze Schulen von begabten Malern, die übers Land zogen und bei ihren Auftraggebern wohnten. Die entstandenen Malereien wirkten dabei so fröhlich und luftig, dass sie unter der Bezeichnung „Lüftlmalerei“ in die Kunstgeschichte eingingen. Die Malereien bestachen dabei durch religiöse Motive, stellten Szenen des bäuerlichen Lebens nach, zeigten Bilder von der Jagd oder gaben Einblick in Brauchtum und Tracht.

 

Besonders schöne Beispiele für diesen klassischen Aufbau sowie für die prächtigen Lüftlmalereien finden sich mit dem Wölflhof in Aurach und mit dem Jodlhof in Hagnberg. Aber auch bei den Fischhausener Bauern am Südufer des Schliersees, beim Mesner- Hof gegenüber von Cafe Mesner, bei den Schwaiger- Bauern in Schliersee- Westenhofen oder den Höfen an Ober- und Unterriss und Ober- und Unterleiten lässt sich der Aufbau dieser Bauernhäuser studieren.