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Geschichte und Zukunft der Almwirtschaft

Bei Wanderungen rund um Schliersee und Spitzingsee fällt vor allem eines auf: Immer wieder kommt man an Almen vorbei, die mit ihren idyllischen Almlandschaften zum Verweilen einladen. Beispiele lassen sich mehr als genug finden; ob Gindlalm, Krainsberger-Alm, Schönfeld- Alm, Ankl-Alm oder Maxlrainer-Alm: in der ein oder anderen kann man sogar einkehren und die selber hergestellten Produkte wie Käse, Milch oder Butter probieren.

 

Um die Entstehung der Almwirtschaft verstehen zu können, muss man vor allem die speziellen Rahmenbedingungen, die in der alpinen Landwirtschaft herrschen, kennen und verstehen.

Zum einen handelt es sich bei der alpinen Landwirtschaft in Bayern und Österreich um die sogenannte germanische Bergbauernwirtschaft. Sie wurde durch die aus Nord- und Mitteleuropa stammenden germanischen Volksstämme beeinflusst, die traditionell großen Wert auf Vieh- und Milchwirtschaft legten und deren Wirtschaftseinheit der Einzelhof darstellte.

Im Gegensatz dazu sind bei der romanischen Bergbauernwirtschaft Viehwirtschaft und Ackerbau gleichberechtigt; es wird viel Wein und Obst angebaut. Einzelhöfe sind hier seltener als Siedlungen, die auch als Kommunen bezeichnet werden. Ein klassisches Beispiel dafür sind Teile von Südtirol mit den großen Wein- und Obstplantagen in den Tälern und den Hängen.

Außerdem haben die Bauern, die in den Alpen Landwirtschaft betreiben wollten, einige Nachteile zu überwinden gehabt: So sind die nutzbaren Flächen im Tal relativ klein und früher auch häufig sumpfig und dadurch für landwirtschaftliche Produktion ungeeignet. Dazu kamen auch noch die häufigen Hochwässer in den Tälern, die Siedlungen und Wirtschaftsflächen vor allem zur Schneeschmelze im Frühling und Frühsommer gefährdeten. Erschwerend kam hinzu, dass die Bauern im alpinen Raum ausschließlich auf Subsistenzwirtschaft zur Selbstversorgung ausgerichtet waren und so in der kurzen Vegetationsperiode des Sommers die Lebensmittelvorräte für die langen Winter angehäuft werden mussten und zusätzliche Flächen dringend nötig waren.

So ist es verständlich, dass die Bauern aus den Tälern nach zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen für die Viehzucht Ausschau hielten, die sie in den Bergen fanden. Dort standen große Flächen zur Verfügung, die eine extensive Weidewirtschaft (d. h. wenig Vieh auf großer Fläche) zuließen.

Allerdings mussten dort zuerst einmal der großflächig vorhandene Wald gerodet werden und die Steine von den Bergweiden entfernt werden, um Weidewirtschaft zu ermöglichen. Erst so konnte das Vieh in den Sommermonaten auf die Hochflächen der Almen getrieben werden.

 

 

Diese Art der Viehhaltung hat zahlreiche Vorteile: Wie bereits erwähnt, stehen in den Höhenstufen der Alpen große Flächen zur Verfügung, die sogar größere Verebnungen aufweisen. Außerdem bietet der dort meist großflächig vorhandene Wald dem Vieh Schutz vor Unwetter und Hitze. Des Weiteren nimmt zwar das Längenwachstum der Pflanzen mit der Höhe ab, dafür nimmt die Qualität des Grases und damit des Futters für die Tiere bis zu einer bestimmten Höhe zu. Dies führt dazu, dass Vieh, das die Sommer auf der Alm verbringen darf, wesentlich gesünder und widerstandsfähiger ist und auch Milch mit höherem Sahnegehalt liefert.

Der einsame Sommer auf der Alm sowie die notwendige Vorratshaltung für den Winter zwangen die Almbauern schon früh dazu, ihre Lebensmittel haltbar zu machen. So wurde anfangs dort Käse in Sauerkäserei hergestellt und so der Käse ein halbes Jahr bis in den Winter hinein haltbar gemacht wurde. Erst später entstand die sogenannte Labkäserei, die zwar aufwändiger war, aber deren Käse dafür auch wesentlich länger haltbar ist.

Am Rande sei hier noch erwähnt, dass Almwirtschaft keineswegs nur auf Milchwirtschaft ausgerichtet ist. Neben diesen Kuhalmen existieren noch eine Etage höher die Galtalmen (von galt = trocken; d.h. ohne Milchproduktion) mit Rinderaufzucht sowie die Schafalmen auf den höchsten Almen. In diesen Höhen nimmt die Qualität des Grases schon langsam wieder ab, was dazu führt, dass dort nur noch die relativ anspruchslosen Schafe gehalten werden können.

 

Diese Art der nachhaltigen Bewirtschaftung war zur Zeit der Agrargesellschaft dem Leben zu dieser Zeit angepasst. Erst als neue Anbaumethoden und zunehmende Mechanisierung in der Landwirtschaft Einzug hielten, die Großbetriebe im Flachland mit wesentlich billigeren Produkten auf den Markt drängten und die Produkte auch in die Alpen exportiert werden konnten, wurde die Almwirtschaft unrentabel. Die aufwändigeren und damit teurer zu produzierenden almwirtschaftlichen Produkte konnten nicht mehr verkauft werden, was einige Landwirte zur Aufgabe der Landwirtschaft und damit auch der Almen zwang.

Einige Landwirte betreiben wegen der genannten Veränderungen allerdings ihren Betrieb noch im Nebenerwerb und gehen hauptberuflich einer anderen Tätigkeit (meist in der Industrie) nach. Außerdem bildeten sich Freizeitbauern heraus, die ihre Almen ohne betriebswirtschaftliche Gewinnabsichten und in ihrer Freizeit bewirtschaften. Als Motivation dient hier der Spaß an der Arbeit in der Natur und mit den Tieren, sowie eine gehörige Portion Idealismus. Viele dieser Freizeitbauern haben wegen des geringeren Arbeitsaufwandes die Viehwirtschaft zu Gunsten der Schafhaltung eingestellt.