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Geschichte des Wintersports in Schliersee



Die Erfolgsgeschichte des Wintersports begann in Schliersee bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Der Buchhändler August Finsterlin besorgte sich bereits 1888 seine ersten Skier aus Finnland und hinterließ seine ersten Spuren im Schnee an den Hängen oberhalb von Fischhausen- Neuhaus. Damals waren die Ski noch komplett aus Holz gefertigt, hatten auch keine Stahlkanten und waren 3,2 Meter lang, also fast doppelt so lang wie heute! Bindungen, wie man sie heute kennt, waren damals nicht vorhanden: Man trug feste Lederstiefel, die mit Riemen am Ski fixiert waren.

Außerdem war die Ferse nicht fest in der Bindung fixiert und man ging bei jedem Schwung mit dem kurveninneren Bein in die Knie. Dieser elegante Telemarkschwung erfreut sich auch heute wieder steigender Popularität und man trifft heute immer wieder Telemarker auf den Pisten. Allerings ist man heute mit wesentlich modernerem Material unterwegs.

 

Im Anschluß an diese ersten Kontakte mit dem neuen Sport fand das Skifahren mit der Zeit immer mehr Begeisterte. Bereits 1893 wurde der „Schneeschuhverein München“ gegründet, dessen Mitglieder fortan häufig im Hotel der Familie Finsterlin übernachteten. Dieses Hotel, auf dessen Grund heute das Haus „St. Leonhard am See“ steht, entwickelte sich mit der Zeit zu einem beliebten Treffpunkt für die Skifahrer der Region.

Bereits 1895 wurde die Rotwand mit Skiern bestiegen (was auch unter heutigen Maßstäben eine anspruchsvolle Skitour darstellt) und zwei Jahre später stand man ebenso im Winter mit Skiern auf dem Gipfel der Bodenschneid. 1904 wurde das erste Skirennen in Fischhausen durchgeführt; bereits 1907 fanden die Bayrischen Skimeisterschaften statt.

 

Damals hätte allerdings noch niemand daran gedacht, dass sich der Skisport im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem Volkssport entwickeln würde und dass sich bald so etwas wie Winterurlaub geben sollte. Aber langsam aber stetig nahm die Zahl der Skifahrer zu, die sich in und um Schliersee in der weißen Pracht vergnügten. So kamen 1907 bereits um die 2000 Skifahrer an Feiertagen mit der Bahn nach Schliersee; zwischen den Weltkriegen wurden sogar Sonderzüge eingesetzt, um die bis zu 10.000 Skifahrer, die an Wochenenden nach Schliersee strömten, transportieren zu können.

 

Einen großen Aufschwung mit einer bisher unbekannten Dynamik erhielt der Skilauf ab 1950.

Zu dieser Zeit waren erstmals, unter anderem auch bedingt durch gestiegene Löhne und gesetzlich geregelte Urlaubszeiten, breite Bevölkerungsschichten in der Lage, in ihrer Freizeit in die Berge zu fahren oder dort auch Urlaub zu machen. Der Sommertourismus spielte damals noch eine größere Rolle; allerdings gewann das Interesse am Skilauf, der nun durch den Bau von künstlichen Aufstiegsanlagen wesentlich erleichtert wurde, mit der Zeit immer mehr an Bedeutung.

 

Der erste Sessellift wurde in der Gemeinde Schliersee 1949 gebaut. Er führte vom Spitzingsee hinauf auf den Gipfel des Stümpflings. Allerdings existierte damals noch keine befahrbare Straße hinauf zum Spitzingsee, was den anschließenden Bau einer Seilbahn vom Josefstal hinauf zum Spitzingsattel notwendig machte. Dies verkürzte den Weg ins Skivergnügen deutlich und erschloss zusätzlich eine neue Abfahrt hinab ins Josefstal. Diese Abfahrt kann auch heute noch als Tourenabfahrt benützt werden; auch wenn der Lift nach der Fertigstellung der Spitzingsstraße 1952 bald überflüssig wurde und 1963 schließlich demontiert wurde. Die ehemalige Bergstation dieser Sesselbahn steht auch heute noch am Spitzingsattel.

 

An der Moni-Alm oberhalb von Rottach- Egern am Tegernsee entstand 1953 die Sutten- Sesselbahn, die von der anderen Seite auf den Gipfel des Stümpflings führte und damit die Verbindung ins Tegernseer Tal darstellte. Die weiteren Anlagen (Lyralift, Roßkopflift, Kurvenlift) entstanden nach und nach im Laufe der Zeit und komplettierten so das Angebot am Spitzingsee.

 

Aber nicht nur im Gebiet um den Spitzingsee entstanden Aufstiegsanlagen: Auch in Schliersee an der Unter- und der Oberleiten entstanden zwei Schlepplifte; der erste führte hinauf zur Oberleiten und der zweite daran anschließend nach Süden Richtung Burgruine Hohenwaldeck. Sie waren 20 Jahre lang bis 1974 in Betrieb und stellten ein ideales Übungsgelände dar. Die Betonfundamente an der Oberleiten sind sogar noch sichtbar.

Auch am Hang der Huberspitz wurden zwei Lifte errichtet: der eine führte von Abwinkl zwischen Schliersee und Hausham nordseitig steil empor; die Stützen und Lifthäuser sind auch heute noch vorhanden. Der zweite Schlepplift befand sich auf der Südostseite der Huberspitz und zog von Breitenbach/ Waxenstein den Hang bis zur Waldgrenze hinauf.

Auch an der Schliersbergalm, auf die eine Gondelbahn führt, tummelten sich die Wintersportler. Die zwei Abfahrten führten entweder direkt den Südhang hinab zur Talstation oder aber durch eine Waldschneise.

 

In Neuhaus entstand 1958 mit dem Pfannilift ein Übungslift, der bis heute ein ideales Übungsgelände für die kleinen Skifahrer darstellt.

 

Die Art und Weise, wie man Ski gefahren ist, war damals aber noch eine total andere als heute: Zum einen waren die Pisten zum großen Teil nicht gewalzt und platt gebügelt, wie sie es heute sind. Oft waren sie gar nicht präpariert oder der Neuschnee wurde mit den Skiern im Treppenschritt verdichtet.

Außerdem entstand damals das, was man heute als „Freeriden“ bezeichnet: Um neue Abfahrten im Tiefschnee fahren zu können, schreckte man damals nicht davor zurück, vorher die Skier zu Schultern und einen Anstieg hinter sich zu bringen. So existierten auch damals schon Abfahrten vom Roßkopf oder durch das Brecherspitzkar, auch wenn dorthin noch kein Lift führte. Auch das gesamte Taubensteingebiet wurde so erschlossen. Einen Überblick über die damals genutzten Abfahrten gibt der alte Liftplan von 1960.

 

Einen weiteren Beweis für die Experimentierfreude der Skifahrer damals ist die Tatsache, dass damals noch zahlreiche Sprungschanzen in und um Schliersee existierten, von denen mit ganz herkömmlichen Skiern gesprungen wurde. So existierte die Jens- Jäger- Sprungschanze an der Unterleiten, die „Spitzingsschanze“ an der Dreitannen- Abfahrt am Spitzingsee und die Toni- Huber- Schanze in Neuhaus Josefstal. Die Anlaufschneise sowie der Auslauf dieser Anlage sind noch westlich der Straße von Neuhaus ins Josefstal zu erkennen.