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Geschichte der Bahnlinie Schliersee - München: von der Dampflok bis zum Integral


Mitte des 18. Jahrhunderts begann im Rahmen der Industrialisierung zum ersten Mal die Errichtung von Bahnstrecken. Ausgehend von den großen Städten, wie zum Beispiel München, wurden im Laufe der Zeit auch Bahnlinien zu weiter entfernten Gemeinden errichtet.

So wurde bereits im Jahre 1856 und 1857 die Eisenbahn von Holzkirchen nach Rosenheim erbaut und wenige Jahre später 1861 die Strecke von München über Holzkirchen nach Miesbach eröffnet.

Im Hinblick auf diese Veränderungen richtete dann der Gemeindeausschuss Schliersee 1862 folgende Bitte an den König von Bayern, Maximilian 2., der hier in Ausschnitten wiedergegeben ist:

 

 

Allerdurchlauchtigster Großmächtiger Koenig

Allergnaedigster Koenig und Herr!

 

In der Ew. Koenigl. Majestät gehörigen Grafschaft Hohenwaldeck, inmitten einer reichen Gebirgsnatur, deren kräftiger Menschenschlag, ungewöhnlich ausgedehnter, fast unerschöpflicher Waldreichtum, üppige Almen und Triften, nebst dem nahezu angränzenden Schatz fossiler Kohlen und anderer nutzbaren Rohprodukten, - diesen Landestheil als ein Perle in Ew. Majestät Krone erscheinen lassen, - lebt in fast gänzlicher Abgeschlossenheit von den Vortheilen des allgemeinen Verkehrs eine Bevölkerung, deren Herz Ew. Königliche Majestät in angestammter altbayrischer Treue und Anhänglichkeit entgegenschlagen.(…)

 

Dass die Bahnverlängerung von Miesbach bis zu der Hauptgrube bei Wohlfsmühle (Kohleförderung in Hausham) als Existenzbedingung für den fernern Bergbau Allerhöchsten Orts bewilligt werden, hoffen wir auch, aber unserer Gemeinde wie dem ganzen Gebirgsstrich von hier bis Bayerischzell kann nur mit dem Anschluß dieser Bahn bei Schliersee geholfen werden.

Die kurze Verlängerung von den Gruben bis hier zeigt gar keine Schwierigkeit und könnte bezüglich des Kostenpunktes kaum ernstlich in Betracht kommen, denn sie beträgt im Ganzen nur eine starke halbe Stunde Wegs, und durch sie dürfte die Rentabilität der ganzen übrigen Bahnstrecken bis Holzkirchen wesentlich gehoben werden. (…)

 

In allertiefster Ehrfurcht erstreben Ew. Koenigliche Majestät allerunterthänigst treugehorsamster Gemeinde- Ausschuß Schliersee, den 18. Juni 1862.

 

 

Dieses Bitten der Gemeinde Schliersee war erfolgreich und so kam es, dass sieben Jahre später bereits Güterzüge nach Hausham fuhren und ab 1869 viermal täglich Personenzüge Schliersee erreichten. Die Fahrzeit betrug zwischen 2,5 und 3 Stunden; abhängig von den teilweise unfreiwilligen Zwischenstopps und der Dauer der Kohlenaufladung. Ab 1876 wurden die Personenzüge im Winter sogar beheizt.

 

Die Weiterführung der Bahnlinie bis Bayrischzell erfolgte erst 1911. Ursprünglich war der Grund für den Bau die Anbindung an die ebenfalls in Planung befindliche Wendelstein-Seilbahn von Osterhofen. Allerdings verzögerte sich der Bau dieser Seilbahn erheblich und so wurde diese erst 1970 eröffnet. Die Entscheidung zog sich auch deshalb in die Länge, da man in Schliersee befürchtete, nur noch als Durchgangsstation für die Weiterreise auf den Wendelstein und nach Bayrischzell zu dienen. Diese Bedenken stellten sich allerdings als unbegründet heraus.

 

Nur einmal ereignete sich ein schwerer Unfall auf der Bahnstrecke, als 1945 ein Erdrutsch am Westerberg südwestlich von Schliersee die Gleise und einen Personenzug auf einer Länge von 100 Metern verschüttete. Die Wiederherstellungsarbeiten, bei denen der Bahnkörper auch mit Ruinenschutt aus München wieder aufgeschüttet wurde, dauerten über ein Jahr. In dieser Zeit mussten die Passagiere an der Unglücksstelle aussteigen, die 100 Meter zu Fuß zurücklegen und dann wieder in einen anderen bereitgestellten Zug, der nach der Unfallstelle auf die Fahrgäste wartete, einsteigen.

 

Seit dieser Zeit hat sich natürlich einiges getan: Mittlerweile fahren die Integralzüge der Bayrischen Oberland- Bahn (BOB) stündlich von Schliersee nach München. Von Schliersee aus sind Sie in genau 55 Minuten am Hauptbahnhof in München. Und das Beste: Die Züge sind sogar beheizt und aussteigen und ein Stück des Weges zu Fuß zurücklegen müssen Sie auch nicht mehr.

 

Abschließend sei hier noch auf ein weiteres interessantes und für damalige Zeiten einzigartiges Bahnprojekt, das auch unter dem Namen „Bockerlbahn“ bekannt ist, hingewiesen: Im Januar des Jahres 1919 sorgte ein gewaltiger Föhnsturm dafür, dass auf einer Fläche von 5 mal 3 Kilometer insgesamt etwa 300.000 Bäume entwurzelt wurden. Um diesen gewaltigen Windwurf möglichst schnell beseitigen zu können, entschloss man sich, zu dem ansonsten unerschlossenen Spitzingsee eine Eisenbahnstrecke zu bauen. Die 12 Kilometer lange Strecke führte vom Bahnhof Neuhaus über den Spitzingsee bis zur Waitzingeralm. Der Bau stellte für damalige Verhältnisse eine technische Meisterleistung dar: es mussten schließlich Steigungen mit einem Höhenunterschied von insgesamt 500 Höhenmetern zurückgelegt werden und zahlreiche Flüsse mussten mit Brücken überquert werden.

Erwähnenswert ist ebenfalls die schnelle Realisierung des Projektes: schon sechs Wochen nach dem Föhnsturm waren die Pläne für die Errichtung fertiggestellt und bereits 1922 war der gesamte Windwurf beseitigt. Bis 1926 war die Demontage vollständig abgeschlossen und ein spannendes, mittlerweile leider fast vergessenes Kapitel industrie- historischer Geschichte war beendet. Einige Relikte der Bahnlinie sind auch heute noch in der Landschaft sichtbar.